Jede Faser erzählt ihre eigene Geschichte, von Herkunft und Struktur bis hin zu Tragegefühl und Einsatzmöglichkeiten. Ob Naturfasern wie Wolle, Baumwolle oder Alpaka, tierfreie Alternativen, hochwertige Seidenmischungen oder innovative Funktionsfasern – hier erklären wir, was die einzelnen Materialien auszeichnet, wie sie sich anfühlen und wofür sie sich eignen. Ein kleiner Wegweiser durch die Welt der Garne.
Eri-Seide
Eri-Seide ist eine besondere Seidenart, die aus den Kokons des Eri-Seidenspinners gewonnen wird. Im Gegensatz zur klassischen Maulbeerseide verlässt die Raupe ihren Kokon vor der Weiterverarbeitung. Deshalb wird Eri-Seide häufig auch als „Peace Silk“ oder „Friedensseide“ bezeichnet.
Da die Fasern durch das Ausschlüpfen des Falters unterbrochen sind, können sie nicht wie klassische Filamentseide zu langen Endlosfasern abgewickelt werden. Stattdessen werden die Kokons geöffnet, zu einzelnen Fasern aufbereitet und ähnlich wie Baumwolle oder Wolle versponnen. Dadurch erhält Eri-Seide ihren charakteristischen, etwas matteren Glanz und einen weicheren, leicht wolligen Griff.
Baumwolle
Baumwolle gehört zu den beliebtesten pflanzlichen Naturfasern. Sie wird aus den Samenhaaren der Baumwollpflanze gewonnen und überzeugt dadurch dass sie besonders robust, pflegeleicht und langlebig ist.
Die Faser ist atmungsaktiv, hautfreundlich und kann Feuchtigkeit gut aufnehmen. Dadurch fühlen sich Strickstücke aus Baumwolle auch an warmen Tagen angenehm auf der Haut an. Im Vergleich zu Wolle besitzt Baumwolle je nach Verarbeitung weniger bis kaum Elastizität.
Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (Bio-Baumwolle) wird ohne den Einsatz von synthetischen Pestiziden und Kunstdüngern angebaut und zeichnet sich durch besonders umweltschonende Anbaumethoden aus.
Mercerisierte Baumwolle
Mercerisierte Baumwolle ist eine Baumwollfaser, die einer speziellen chemischen Veredelungsbehandlung unterzogen wurde. Dabei wird der Baumwollfaden unter Spannung mit einer kalten Natronlauge behandelt. Durch diesen Prozess quillt die Faser auf, ihre Struktur verändert sich, und der Querschnitt wird runder. Dies führt zu drei entscheidenden Verbesserungen: Das Garn erhält einen dauerhaften, intensiven Glanz, seine Reißfestigkeit wird deutlich erhöht, und es nimmt Farbstoffe brillanter und gleichmäßiger auf. Mercerisierte Baumwolle ist formstabiler und läuft weniger ein als unbehandelte Baumwolle.
Maulbeerseide
Maulbeerseide gilt als die hochwertigste Naturseide. Sie wird aus den Kokons des Seidenspinners gewonnen, der sich ausschließlich von Maulbeerblättern ernährt. Im Herstellungsprozess werden die geschlossenen Kokons in heißem Wasser aufgeweicht, um den natürlichen Seidenleim zu lösen. Dann werden die feinen Endlosfäden vorsichtig abgewickelt (gehaspelt). Die extrem langen und gleichmäßigen Fasern sorgen für einen perlmuttartigen Glanz und eine hohe Reißfestigkeit. Maulbeerseide ist besonders glatt, temperaturregulierend und hautschonend.
Lyocell
Lyocell ist eine generische Faserbezeichung für eine bestimmte Art von regenerierten Cellulosefasern, die aus natürlichem Zellstoff (meist aus nachhaltig angebautem Holz wie Eukalyptus) hergestellt wird. Das Besondere an Lyocell ist das spezielle Herstellungsverfahren, bei dem ein ungiftiges Lösungsmittel in einem geschlossenen Kreislauf fast vollständig zurückgewonnen und wiederverwendet wird. Dies macht Lyocell zu einer der umweltfreundlichsten aller Cellulosefasern. Die Faser selbst ist sehr glatt, stark und langlebig. Sie zeichnet sich durch einen eleganten, fließenden Fall und eine hervorragende Feuchtigkeitsregulierung aus, die sie kühlend und atmungsaktiv macht.
Lurex
Lurex (Markenname) ist eine synthetische Effektfaser, die Garnen einen metallisch schimmernden/ glitzernden Charakter verleiht. Sie besteht in der Regel aus einem Polyester/ -amidträger, der mit einer metallischen Beschichtung (u.a. Aluminium) überzogen wird. Lurex wird meist mit anderen Fasern wie Wolle, Baumwolle ect. verzwirnt. Es ist formstabil und strapazierfähig, besitzt aber kaum Elastizität.
Leinen
Leinen wird aus den Stängeln der Flachspflanze gewonnen und gehört zu den ältesten Textilfasern der Welt. Das Garn zeichnet sich durch seine natürliche Glätte, seidigen Glanz und eine hohe Reißfestigkeit aus. Leinen ist hypoallergen, sehr saugfähig und gibt aufgenommene Feuchtigkeit schnell wieder ab, weshalb es einen angenehm kühlenden Effekt auf der Haut hat. Mit jeder Wäsche wird das Material weicher und geschmeidiger, ohne an Stabilität zu verlieren.
Lanolin
Lanolin (Wollfett) ist ein natürliches, wachsartiges Sekret, das von den Talgdrüsen von Schafen abgesondert wird und die Wollfasern überzieht. Seine Hauptfunktion ist der Schutz der Wolle und des Tieres vor Witterungseinflüssen, indem es die Faser geschmeidig hält und sie wasserabweisend macht. Lanolin eignet sich ideal zur Pflege von Wollprodukten. Bei empfindlichen Personen oder Allergikern kann Lanolin jedoch Hautreaktionen auslösen. Denn, wer auf Wolle allergisch reagiert, reagiert meist auf Lanolin, nicht die Wollfaser selbst.
Yak
Yak-Wolle stammt von der Unterwolle des zentralasiatischen Hochlandrindes, das in den extremen Höhenlagen des Himalayas lebt. Die feine Unterwolle wird im Frühjahr, wenn die Tiere ihr Winterkleid verlieren, traditionell ausgekämmt oder von Hand gesammelt. Pro Tier gewinnt man jährlich nur etwa 300 bis 500 Gramm der feinen Fasern. Nach dem Sammeln wird das feine Unterhaar penibel vom groben Deckhaar getrennt (entgrannen), gewaschen und zu einem besonders weichen Garn versponnen. Yak-Fasern sind sehr weich, leicht, wärmend und temperaturausgleichend.
Wolle
Wolle ist der Oberbegriff für die weichen Haare des Fells von Säugetieren. Der Herstellungsprozess beginnt mit der Schur des Tieres. Die gewonnene Rohwolle wird sortiert, gewaschen (um Wollfett und Schmutz zu entfernen) und anschließend kardiert (gekämmt), wobei die Fasern parallel ausgerichtet werden. Danach wird das Material zu einem Garn versponnen. Je nach Tierart, Witterungsbedingungen und Verarbeitung variiert Wolle in Feinheit, Weichheit und Struktur, von rustikal und grob bis hin zu zart und besonders hautfreundlich.